Hatha-Yoga Asanas
Einführung
Hatha-Yoga ist eine der 8 Disziplinen des "klassischen"
ashtanga-Yoga, wie er von Patanjali, der vermutlich
angesehendsten historischen Autorität in Sachen Yoga, definiert wurde.
Namen
Der Hatha-Yoga kennt angeblich rund 50.000 Übungen,
genannt asanas ("Haltungen", ursprünglich: "Sitz"), die in der Literatur teils mit
anatomischen-logisch Namen bezeichnet werden, teils mit Tiernamen, teils mit Namen aus der indischen
Mythologie.
Im deutschsprachigen Unterricht haben sich einige Trivialnamen durchgesetzt, die teils aus der westlichen Gymnastik entlehnt
sind wie etwa "Handstand" oder "Brücke".
Das ernsthafte Üben der Stellungen des Hatha-Yoga kann dem unbeleckten Außenstehenden erst
einmal wie unerbittlich genau durchgeführte Hard-Core-Gymnastik erscheinen, die dem "Trainer" niemals
gut genug ist. In Wirklichkeit verhält sich das natürlich anders. Es handelt sich schließlich
nicht um eine der in den letzten Jahren vermehrt aufgekommenen westlichen Extremsportarten mit scheinbarer
Tendenz zu Geringschätzung von Leben und Gesundheit zu gunsten der eigenen Profilierunstendenzen.
Vielmehr vereinigen sich hier einige Bestrebungen (die gedacht sind, zu Eigenschaften zu werden):
Dieser Katalog mag vielleicht erscheinen wie ein Teil eines Anforderungskatalog für menschliche
Volkommenheit. In jedem Fall wird sich vermutlich mindestens eine der beiden folgenden Fragen stellen:
- warum, wenn dieses alles tatsächlich zutreffen sollte, ist dann Hatha-Yoga nicht schon viel
bekannter, da es sich ja offensichtlich um einen Weg zur Ausprägung bzw. Verbesserung einer Vielzahl
hochgeschätzter menschlicher Eigenschaften handelt ??
- Handelt es sich wirklich um einen praktikablen Weg für sozusagen jedermann/frau, oder
muß man nicht vielmehr bereits übermenschliche Anlagen mitbringen, um diese Disziplin betreiben zu
können ??
Sind die Einstiegsvoraussetzungen nicht vielleicht exorbitant ??
Wenn es mir im folgenden gelingt, meine Evidenz als Plausibilität zu vermitteln, steht Ihnen ein
interessantes (vorerst Gedanken-) abenteuer zu erwarten.
Erste Antworten:
Ich werde gleich im Anschluß versuchen, an Beispielen, die sicherlich die meisten, die diese
Disziplin etwas länger betreiben, nachvollziehen können, die gemachten Aussagen plausibel zu
machen.
- Hatha-Yoga ist schon etwa seit einen Jahrhundert im Westen zunehmend bekannter geworden. Von
verschiedenen Personen unterschiedlich rezipiert und weiterverbreit, findet diese Disziplin individuell
deutlich unterschiedlichen Anklang. Wenn Hatha-Yoga sehr sanft unterrichtet wird, um den Entspannungseffekt
zu betonen, kommt oft gerade dieser bei vielen geschäftigen oder innerlich unruhigen Menschen nicht zum
Zuge. Solche Menschen werden Hatha-Yoga also nicht sehr hilfreich finden. Unterrichtet man Hatha-Yoga mit der
notwendigen Stringenz und Konsequenz, so wird es den einen oder die andere geben, die die dazu notwendige
Energie und Willenskraft nicht aufbringen können oder wollen. Ein weiterer Grund ist, daß manche
Menschen gerne ihre unzutreffenden, nicht auf eigenen Erfahrungen beruhenden Vorurteile zu verbreiten
belieben. So wird Yoga immer wieder in einem Atemzug mit Sekten und Kulten genannt, obwohl Yoga zwar eine
Philosophie besitzt, aber nicht als religiös im üblichen Sinn gelten kann.
- Nichts Benennbares ist ohne Voraussetzungen und was ohne Voraussetzungen ist, ist nicht benennbar.
Also will ich versuchen, möglichst wahrheitsgemäß zu antworten:
Ja ,
falls ein Mindestmaß an Disziplin, gesundem Menschenverstand, Ernsthaftigkeit,
Willenskraft,.. vorhanden ist.
Nur jene Menschen, die derart resigniert sind, daß sie nicht nur
nicht mehr an die Verbesserung ihrer Lebenssituation oder Konstitution glauben, sondern auch nicht einmal
mehr bereit sind, das Experiment anzutreten, sei es des Interesses an der Wahrheit halber oder nur um einen
weiteren Strohhalm zu greifen, oder gar, um sich selbst zu beweisen, daß ihre Resignation berechtigt
und der einzig "vernünftige" Schluß ist, bleiben hier außen vor.
Der Rest der Welt ist
herzlich eingeladen den folgenden Gedanken zu folgen.
- Genauigkeit
Jeder, der einmal an einer Klasse
bei einem nach der Iyengar-Methode ausgebildeten Lehrer teilgenommen hat, weiß wie genau dessen
Vorstellung von der Ausführung einer Übung sind, und welch augenscheinlich geringe Details er
zuweilen beanstandet. Der Grund dafür ist einerseits das Anstreben der physiologisch optimalen und
möglichst effektiven Ausführung, andererseits - und damit verlassen wir argumentativ die physische
Ebene - der Ausprägen größerer
Unterscheidungskraft und eben Genauigkeit.
- Wahrhaftigkeit
- Einsicht
- Unterscheidungsvermögen
- Offenheit
- Gutwilligkeit
Beim Üben des Hatha-Yoga
gewinnt man zu dem eigenen Körper zunehmend eine weniger subjektive sondern mehr objektive Perspektive.
Das heißt, die Identifizierung mit dem Körper als primäres Selbstverständnis, wie es
noch ein Kleinkind weitgehend hat, und viele Erwachsene deutlich unzureichend überwunden haben, wird
zunehmend aufgehoben. An dessen Stelle tritt eine Perspektive als Verursacher der Aktionen des Körpers
und als dessen Verantwortlicher, auch im Sinne der
Fürsorglichkeit. Die Verantwortlichkeit meint hierbei
sowohl das Nicht-Verletzen, also Verantwortlichkeit für Gesundheit
und Benutzbarkeit, als auch Verantwortlichkeit für die zu erzielenden Fortschritte, das heißt, die
Eigenschaften Willensstärke und Mut
sowie Durchhaltevermögen ins Verhältnis zu setzen zu
Beständigkeit im Üben, die nur erreicht werden kann, wenn
als eine Voraussetzung für Kontinuität die Gesundheit erhalten bleibt, und zu der
Balance zwischen aktuellen Bedürfnissen, hier
nach Erfolg und Bestätigung einerseits und den langfristigen Zielen, die durch
übermäßiges Nachgeben den aktiven, kämpferischen Tendenzen, gefährdet werden
können.
- Mut
Jeder Mensch hat Hemmschwellen und Resentiments
gegen oder Angst vor irgendetwas, vielleicht sogar undefinierbare Furcht. Wer zum Beispiel noch nie einen
Handstand ausgeführt hat, mag Angst vor dem Stehen auf den Händen haben, und sei es nur deswegen,
weil er nicht mehr mit beiden Beinen auf dem Boden steht oder er seinen Armen und Händen nicht traut.
Angst gilt es zu überwinden, Angst ist zumeist ein sehr hinderliches Prinzip weit weniger als ein
hilfreiches Gefühl etwa im Falle eines bevorstehenden Falls aus dem Fenster. Angst wird am schnellsten
und einfachsten überwunden durch die konkrete Erfahrung, daß der Gegenstand der Angst handhabbar
ist. Spätestens, wenn man mit dem vormaligen Objekt der Angst selbstverständlich spielerisch
umgeht, kann die Angst als überwunden gelten.
Der Fall der Furcht, als Begriff für die Neigung
zu Angstzuständen ohne konkretes Objekt oder mit rasch wechselnden Objekten der Angst, liegt etwas
tiefer, jedoch gilt auch hier, daß der Schlüssel vermutlich in der Vermehrung der
Bewältigungssituationen in jedem Einzelfall möglichst bis hin zur spielerischen
Souveränität, liegt.
- Beständigkeit
Beständigkeit meint
hier das Nicht-Aus-Den-Augen-Verlieren für wichtig erachteter Dinge über die Zeit. Die hier
betrachteten Zeiträme sind sehr unterschiedlich lang. Einerseits ist natürlich die Langfristigkeit
des regelmä,ßgen Übens gemeint, also Tage, Wochen, Monate, Jahre,.. Andererseits handelt es
sich genauso um halbe Minuten, in denen eine Kraftanstrengung beständig durchgeführt oder eine
Dehnung optimal dosiert werden soll.
Es ist ein Stück weit eine Frage individueller Konstitution,
wie sehr ein Mensch diese kurz- oder langfristige Beständigkeit ausprägt. In keinem Falle jedoch
kann die Konstitution als Ausrede gelten, vielmehr liegt in einer Minderausprägung der
Beständigkeit ein deutlicher Imperativ.
- Fähigkeit zur Ernsthaftigkeit
- Durchhaltevermögen
- Standhaftigkeit
- Disziplin
- Willensstärke
- Klarheit
- Freiheitlichkeit
- Ausgleich zwischen aktuellen Wahrnehmung und
bedürfnissen einerseits und andererseits Orientierung an langfristigen Zielen
- Ausgleich zwischen Offensivität und Demut
- Gleichmut
- Kreativität
- Spontanität
- Fürsorglichkeit
- Verantwortlichkeit
- Gesundheit
Der Volksmund sagt: "Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen." und hat damit den Nagel auf den
Kopf getroffen. Von nichts kommt nichts. Von etwas (stetigem aufrechtem Einsatz) kommt auch was.
Im folgenden werden verschiedene Klassifizierungen der Haltungen des Hatha-Yoga angegeben. Dabei
handelt es sich nicht in jedem Fall um disjunkte (überschneidungsfreie) Einteilungen.
geschweifte Klammern um angegebene Haltungen meinen bestimmte Varianten.
- disjunkte klassische Unterteilung nach
äußerer Erscheinungsform (klassisch):
- Haltungen im Sitzen
Beispiele:
dandasana , padmasana ,
paripurna navasana
- Haltungen im Liegen
Beispiele: jatharaparivartanasana ,
urdhva padaasana ,
- Haltungen im Stehen (Stehhaltungen)
Beispiele: virabhadrasana II, virabhadrasana
II,
- Umkehrhaltungen
Beispiele: adhomukhavrksasana , sirsasana
- Vorwärtsbeugen
Beispiele: janu sirsasana , pascimottanasana
- Rückwärtsbeugen
Beispiele: urdhva dharurasana , ustrasana
- Drehhaltungen
Beispiele: bharadvajasana , maricyasana
- Regenerative Haltungen
Beispiele: sasvasana , viparita karani
- nicht disjunkte Unterteilung nach psychomentalen
Wirkungen (psychomental):
- mental beruhigende Haltungen
Kategorien:
- stehende Vorwärtsbeugen
- mit den Händen am Boden abstützende Haltungen
Beispiele: uttanasana,
parsvottanasana,
Hundestellung K.n.u.
- emotional beruhigende Haltungen
Kategorien:
Beispiele: sarvangasana ,
halasana , karnapidasana
- vital beruhigende Haltungen
Kategorien:
- regerative Haltungen
- sitzende Vorwärtsbeugen
Beispiele: pascimottanasana oder
janusirsasana
- mental anregende Haltungen
Kategorien:
- anstrengungsarme Umkehrhaltungen
Beispiele: Kopfstand,
- vital anregende Haltungen
Kategorien:
- Rückbeugen
- einige Umkehrhaltungen
Beispiele: Handstand
- mental/emotional stabilisierende Haltungen Kategorien:
- Stehhaltungen
- mit den Händen am Boden abstützende Haltungen
Beispiele: virabhadrasana2,,
Hundestellung K.n.u.
- nicht disjunkte
physiologisch/anatomisch-funktionale Unterteilung nach primären Wirkungen (physiologisch)
- Kräftigung
- Quadrizeps
Kategorien:
- Stehhaltungen mit mindestens einem gebeugten Bein
- einige Rückbeugen
Beispiele: virabhadrasana II,
virabhadrasana II, caturkonasana,
Liste
- Bein-Bizeps
Kategorien:
- stehende Vorwärtsbeuge auf einem Bein
- stehende Vorwärtsbeuge auf zwei Beinen
Beispiele: virabhadrasana3,
parivrttaardhachandrasana
Liste
- Bizeps
Kategorien:
- sitzende und stehende Vorwärtsbeugen
Beispiele: pascimottanasana oder
janusirsasana , uttanasana
Liste
- Trizeps
Kategorien:
- mit den Händen am Boden abstützende Haltungen, vor allem mit gebeugten Armen
- auf den Händen stehende Haltungen, vor allem mit gebeugten Armen
Beispiele: caturangadandasana,
adhomukhavrksasana,
{Hundestellung K.n.o.}
Liste
- Brustmuskeln
Kategorien:
- Kräftiges Abstützen des Oberkrpers am Boden,
- intensive Drehhaltungen in denen die Hände horizontalen Druck ausüben
Beispiele: caturangadandasana,
asana
Liste
- Bauchmuskeln
Kategorien:
Beispiele: jatharaparivartanasana
, paripurna navasana
Liste
- Wadenmuskeln (Plantär-Flexoren)
Kategorien:
- Stehhaltungen auf einem Bein
Beispiele: virabhadrasana II,
parivrttaardhachandrasana
Liste
- Schienbeinmuskeln (Dorsal-Flexoren)
Kategorien:
Beispiele: asana
Liste
- Nackenmuskeln hinten
Kategorien:
Beispiele: asana
Liste
- Nackenmuskeln seitlich
Kategorien:
- Stehhaltungen mit seitlicher Rumpfbeuge,
- intensive sitzende oder stehende Drehhaltungen
Beispiele: trikonasana,
parsvakonasana, parivrtta
trikonasana
Liste
- Halsmuskulator vorn
Kategorien:
- Beugen des Oberkörpers nach hinten
Beispiele: ustrasana,
paripurna navasana
Liste
- Dehnung Beispiele: uttanasana,
pasvottanasana, pascimottanasana,
- Stabilisierung/Harmonisierung Beispiele: virabhadrasana II, virabhadrasana
II, caturkonasana,
-
-
-
Yoga Der Begriff Yoga stammt von der
Sanskrit-Wurzel yui ab, welche die Bedeutungen Joch und vereinigen
hat. Im Sinne der samkhya-Philiosphie, die der Yoga-Philosophie vorausgeht, und in der ein strenger
Leib-Seele-Dualismus herrscht, kann dieses als das Unterjochen der leiblichen/materiellen Komponente unter
die geistige bedeuten. Vereinigung meint Vereinigung des Menschen mit der Quelle seines
eigentlichen Seins, dam atman .
Hatha Für das Sanskrit-Wort "hatha" sind zwei
plausible Übersetzungen bekannt:
- Sonne "ha" - Mond "tha"
- entschlossene Bemühung
Die Interpretation der zweiten Übersetzung fällt jedem, der bereits Hatha-Yoga nach der
Iyengar-Methode geübt hat, nicht weiter schwer.
Ashtanga von sanskr. ashta "acht" und anga
"Glied","Teil" : achtfacher Weg, gemeint sind die acht Bestandteile:
- yama
- niyama
- asana
- pranayama
- prathyahara
- dharana
- dhyana
- samadhi
Patanjali